Stephan Heusser – einmal Rotblau, immer Rotblau

Der FC Basel ist allgegenwärtig im Raum Basel – voller Emotionen verfolgen Fans seit Jahrzehnten den FC Basel. Dieser Zauber macht auch nicht bei Banken halt. Stephan Heusser, ein begnadeter FCB-Fan, unter der Woche als Bereichsleiter Privatkundenberatung und am Weekend als FCB-Fan unterwegs, plaudert über die letzten 20 Jahre des FC Basel.

Stephan Heusser als FCB Fan

Stephan Heusser, Sie sind schon so lange FCB-Mitglied, wie ich auf der Welt bin (20 Jahre). Sagen sie mir, was hat sich in der Zeit verändert?

Stephan Heusser: Da muss ich kurz studieren (lacht). 1998 spielte der FCB seit kurzem wieder in der Nationalliga A, gekickt wurde im alten «Joggeli» und Präsident war René C. Jäggi. Wenig später übernahm das Duo Gigi Oeri und Christian Gross und professionalisierte alles. Der FCB hat sich in dieser Periode vom Provinzclub zum europaweit renommierten Verein hochgearbeitet.

Sie sprechen das alte Joggeli an. War das Zuschauen im alten oder neuen Stadion besser?

Es war beides reizvoll. Das neue Stadion ist aber – um das Spiel zu verfolgen – geeigneter, weil man näher beim Feld ist. Auch die Organisation ist besser geworden. Im alten Joggeli gab es nur einen Wurststand, da reichte eine Halbzeit oftmals nicht (lacht).

Sie gehen also noch regelmässig ins Stadion?

Ja, ich besitze eine Saisonkarte.

Stephan Heusser und Luc Durisch

Wie sind Sie denn überhaupt zum FCB gekommen?

Als Bub war ich fussballbegeistert und wurde schnell FCB-Fan. In meiner Jugend ging ich dann jeden Samstag mit Freunden die FCB-Spiele schauen – es war unser Ritual. Mitglied geworden bin ich aber wegen meines Onkels, der mir den ersten Mitgliederbeitrag schenkte.

Warum nahm und nimmt der Fussball eine so wichtige Rolle in Ihrem Leben ein?

Einerseits wegen des Sports selber, den Emotionen, der Spannung. Andererseits kann man sich im Gegensatz zum Berufsalltag im Stadion auch mal gehen lassen.

Ist die Vormachtstellung, die der Fussball gegenüber anderen Sportarten hat, gerechtfertigt?

Ja, die Erfolge, die – vor allem in der Region – im Fussball gefeiert wurden, berechtigen eine Monopolstellung. Vergleichen wir beispielsweise die Königsklasse im Fussball und jene im Eishockey. Für die Fussballer interessiert sich nach den FCB-Erfolgen wohl jeder, das Eishockey-Turnier dagegen fesselt im Raum Basel kaum jemanden.

Stephan Heusser vor Raiffeisen

Diese Stellung bringt viel Geld in die Branche. Sind die zum Teil horrenden Ablösesummen gerechtfertigt?

Es ist schon schwierig, dies nachzuvollziehen. Man muss aber berücksichtigen, wer dahintersteht. Als Beispiel dient PSG, wo ein Scheich viel Geld in die Hand nimmt.

Nehmen wir an, Marco Streller tritt über Nacht zurück. Was würden Sie tun, wenn Sie plötzlich Sportchef des FCB wären?

Da müsste ich zuerst mit dem Vorstand des FC Biel-Benken sprechen, wo ich bereits Sportchef bin (lacht). Aber im Ernst: Ich denke, dass es schwierig ist, dieses Amt zu bekleiden. Geschenkt würde ich den Job nicht wollen, weil mir die Kontakte in der Branche fehlen. Klar mit dem nötigen Geld, würde ich einfach Spieler kaufen….

…welche wären es dann, wenn Geld keine Rolle spielt?

Das ist schwer zu sagen, ich würde gerne alles einkaufen (lacht). Meine Traum-Elf wäre jedenfalls: Yann Sommer, Jordi Alba, Manuel Akanji, Thiago Silva, Kyle Walker, Kevin De Bruyne, Luka Modric, Ivan Rakitic, Gareth Bale, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Sie arbeiten für die Raiffeisenbank Allschwil-Schönenbuch als Leiter  Privatkundenberatung. Was würden Sie diesen Topverdienern empfehlen, wenn sie bei ihnen Geld anlegen würden?

Es sinnvoll nachhaltig anzulegen (lacht). Im Ernst, wenn jemand 40 Millionen im Jahr verdient, spielt es keine grosse Rolle mehr. Man müsste auf gigantischem Fuss leben, um dieses Geld in einem Leben zu verbrauchen.

Stephan Heusser

Welches war ihr schönstes FCB-Erlebnis?

Der Wiederaufstieg 1994. Das lange Warten darauf hat, als er endlich Tatsache war, eine grosse Begeisterung ausgelöst. Die Feier auf dem Barfi , die Andenken aus dem alten Joggeli – es war fabelhaft. Aber auch in der Champions League habe ich magische Nächte erlebt.

Das Schlimmste?

Der 13. Mai 2006 als der FCZ dank des Tores von Filipescu in der 94. Minute Meister wurde. Vor allem die Szenen nach dem Spiel waren beängstigend.

Können sie als Bankmitarbeiter etwas vom Fussball lernen?

Ja, Teamgeist. Ich vergleiche unser Team gerne mit einer Mannschaft. Zusammen erreichen wir mehr als jeder für sich.

Und umgekehrt – was kann ein Fussballer von einem Banker lernen?

Vermutlich Bodenständigkeit. Wir bemühen uns stets kundennah zu bleiben und nicht abzuheben. Dies sieht man bei Fussballern leider zu oft.

Was wünschen Sie sich in der Zukunft für den FCB?

Vor allem hoffe ich, dass er in die Spur zurückfindet und der Erfolg wiederkommt. Der Club ist darauf angewiesen, dass er sich international präsentieren kann, damit er nicht zu einem Durchschnittsverein verkommt. Die anderen Mannschaften haben jedenfalls Lunte gerochen und gemerkt: Dieser FCB ist schlagbar. Ich hoffe aber, dass er für uns noch lange unbezwingbar bleibt.

 

Interview: Luc Durisch, BaZ