Stets zu Diensten

Pascal Naef ist beim FC Basel so etwas wie der Integrationsbeauftragte und Alltagslebensberater, insbesondere für Spieler aus dem Ausland. Er sorgt dafür, dass sie sich wohlfühlen und so auf dem Platz ihr Optimum leisten können.

Pascal Naef ist stets zu Diensten
Pascal Naef ist stets zu Diensten

Diskret. Verschwiegen. Diszipliniert. Intensiv. So beschreibt Pascal Naef seinen Beruf, der eigentlich aus zwei Jobs besteht. Der Mann ist einerseits der persönliche Assistent von Gigi Oeri, der Frau, die als Präsidentin dem FC Basel die Entwicklung zu dem ermöglicht hat, was er heute im Schweizer Fussball und in Europa darstellt. Andererseits spielt Pascal Naef im Betreuerstab des FC Basel eine nicht unwichtige Rolle im Umgang mit den Spielern. Insbesondere für neu unter Vertrag genommene Spieler, und unter denen speziell jene, die aus dem Ausland in die Schweiz kommen.

 

Oft ist Pascal Naef für einen Neuankömmling die erste Kontaktperson des FC Basel. Bei der Ankunft am Flughafen in Basel oder Kloten verliert er keine Zeit und wartet nicht ab, bis ein Spieler Fragen hat: «Ich sage ihm gleich, wie es zu und her geht. Da beginnen die Zahnräder bereits ineinander zu greifen.»

 

 

 

 

 

Die Fragen, die sich in der Regel stellen, ähneln sich: Wo wohne ich? Welches Auto fahre ich? Was machen meine Kinder? Wie wird die Familie integriert? Als Faustregel gilt Naef: «Das erste Ziel ist immer eine Wohnung und ein Auto zur Verkehrsteilnahme. Damit ist man relativ schnell integriert. Es gibt mobile Freiheit und Intimsphäre, wenn man zuhause und nicht im Hotel wohnt.»

 

Pascal Naef ist also ein Berater und Organisator für das Alltagsleben. Wenn die Früh morgens erledigt er zunächst die Arbeit für Gigi Oeri. Um 8 Uhr, wenn die Mannschaft ins Stadion kommt, ist er bereits dort. Es folgt der Regelablauf für die Spieler: Frühstück, Training, dann Freizeit oder nochmals Training. Es sind die ganz normalen und auch banalen Dinge des Alltags, für die Naef der Problemlöser ist. Das kann eine nicht mehr funktionierende Parkkarte sein, er kümmert sich aber auch um einen Platz für den Spross eines Spielers in der Kindertagesstätte. Oder schlussendlich um die Übergabe einer Wohnung, wenn ein Profi weitergezogen ist.

 

Das kommt beim FC Basel mitunter häufiger vor, weswegen das Kommen und Gehen während einer Transferperiode einen Peak von Naefs Tätigkeit darstellt. «Ich bin das Mädchen für alles», sagt der 40-Jährige. Diese Rolle hatte lange der seit vielen Jahrzehnten für den FCB tätige Gusti Nussbaumer als Teamkoordinator inne; nun nimmt ihm Pascal Naef eine Menge Arbeit ab und unterstützt bei Bedarf Kommunikationsleiterin Andrea Roth bei der Medienarbeit. Und er erklärt den Spielern die Schweiz. «Wir sind teilweise ein kompliziertes Land», sagt Naef, «und je nachdem, woher man kommt, sind wir sogar ein sehr kompliziertes Land.» Einfach zu verstehen ist dabei, wie schnell man mit dem Auto auf der Landstrasse unterwegs sein darf. Das kann aber auch schon mal auf taube Ohren stossen.

 

Pascal Naef hat für ein weltweit operierendes Unternehmen gearbeitet und seine Ehefrau kommt aus Kamerun. Das hilft ihm im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. In den Job beim FCB ist er so unvermittelt gerutscht wie in den als Assistent von Gigi Oeri. Anfangs war er ihr Chauffeur zu den Auswärtsspielen, heute ist er ihr Verbindungsmann zu den vielfältigen Unternehmungen der Frau aus wohlhabendem Haus.

 

Weil Pascal Naef quasi die Diskretion die Person ist, lässt er sich wenig entlocken über die Erfahrungen mit den FCB-Spielern in den zurückliegenden Jahren. Nur soviel: «Man lernt eher den Menschen kennen als den Fussballer. Und ich sehe in eine Intimsphäre, die ein Journalist oder ein Fan nie sieht.»

 

Jacques Zoua, der als Minderjähriger 2008 erstmals beim FCB vorspielte, ist Naef erstes grosses Betreuungsprojekt gewesen. Für den Kameruner wurde Naef so etwas wie der grosse Bruder. Mohamed Salah, kürzlich als einträglichster Transfer des FCB zu Chelsea FC gewechselt, hat während seiner eineinhalb Jahre in Basel gesagt: «Ohne Pascal Naef wäre ich verloren gewesen.» Das hält Naef zwar für übertrieben, räumt aber ein: «Bei ihm habe ich gemerkt, dass man sich etwas mehr um ihn kümmern muss.» Das bedeutete, dass Naef mit dem Ägypter zum Abendessen ausging oder Ausfahrten unternahm. «Der FCB macht das, damit die Integration so schnell wie möglich stattfindet. Ich bin also eher für das Wohlgefühl als für gesellschaftliche Eingliederung zuständig.»

 

Das Ziel dieser ganzen Anstrengungen und des Rundum-Sorglos-Programms: die Spieler sollen so rasch wie möglich funktionstüchtig auf dem Fussballplatz sein. «Die Eingewöhnungszeit braucht Energie», sagt Naef, «das hält einen von anderen Sachen ab. Heutzutage muss ein Fussballer schon einige Energie aufbringen, um leisten zu können, was von ihm verlangt wird.» Offiziell angestellt ist Pascal Naef beim FC Basel nicht. Er macht den Job auf der Grundlage einer Vereinbarung von Gigi Oeri mit ihrem Nachfolger Bernhard Heusler. «Wobei», sagt Naef, «der Verein zahlt mir sehr viel – und zwar in dem Moment, wo wir Meister werden.»

 

 

 

 

 

 

TagesWoche, 29. Februar 2016