Die Betreuerin der Fussball-Gourmets

Über 1400 der Matchbesucher im Basler St. Jakob-Park sind VIPs. Um ihr Wohl kümmert sich Manuela Vogt, Leiterin Matchday-Hospitality beim FC Basel 1893.

Manuela Vogt
Fussball-Gourmet

Die Spieler schreiten durch den Eingangstunnel, die Fankurven präsentieren ihre Choreografien. Ausgerechnet jetzt, wo es im St. Jakob-Park endlich losgeht, kann Manuela Vogt einen Gang herunterschalten. «Mit dem Kickoff ist ein Grossteil meiner Aufgabe eigentlich vorbei», erklärt die Leiterin Matchday-Hospitality beim FCB sichtlich zufrieden. Einmal mehr haben sie und ihre Equipe es geschafft, ihren Gästen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, bevor die Partie überhaupt begonnen hat. 

Man wähnt sich hier im Schlaraffenland. Schon zwei Stunden vor Spielbeginn dürfen sich die rund 1400 Besucher im vornehmsten Teil des Stadions an den Spezialitätenbuffets mit allerlei Köstlichkeiten eindecken (siehe Box). Darüber hinaus geniessen die zahlungskräftigsten FCB-Fans noch viele weitere Annehmlichkeiten: für sie wird an einem der rund 160 reservierten Tische gedeckt, während des Spiels haben sie einen Sitzplatz auf der Haupttribüne, und sie geniessen Vorkaufsrecht auf die Champions-League-Spiele. Und natürlich verleiht einem das Bändeli, welches jedem Gast bei der persönlichen Begrüssung ums Handgelenk gebunden wird, auch eine Prise Exklusivität. Sehen und gesehen werden gehört hier auch dazu, in dieser weitläufigen, lichtdurchfluteten Lounge.

 

Die Abläufe im Hospitality-Bereich sitzen perfekt, der grosse Aufwand dahinter bleibt verborgen. Schon vier Stunden vor Anpfiff stiefelt Manuela Vogt durch die Gänge der Haupttribüne: im ersten Stock die Bar-ähnlichen Lounges mit Stehtischen, im zweiten die beliebte «Baloise Lounge», zuoberst die fünf exklusiven Logen für Firmen sowie zwei weitere Lounges. Sie begrüsst jeden Mitarbeiter einzeln, nimmt überall genau Augenschein und korrigiert die letzten Details. Hier sitzt ein Vorhang nicht richtig, dort stimmt eine Tischnummer nicht mit jener auf dem Ticket überein.

 

Dennoch lässt sich so ein Fussballabend nie ganz durchplanen. Immer wieder muss sich Vogt, seit Mai 2009 Chefbetreuerin der VIPs, auf ihre Flexibilität und ihr Improvisationstalent verlassen. Die eine Geladene hat ihren Neffen mitgebracht, für den eigentlich kein Platz reserviert war, und an einem Tisch streiten sich zwei Paare um reservierte Plätze. Dank ihrem diplomatischen Geschick und ihrer Freude am Umgang mit Menschen findet Vogt aber stets eine Lösung: «In solchen Momenten muss man auf die Leute zugehen, mit ihnen reden und vor allem: ruhig bleiben.»

 

Ganz in Ruhe lässt der FCB die 58-Jährige fast nie. Unter der Woche erledigt sie sämtliche administrative Aufgaben rund um ihr Aufgabengebiet und bespricht sich mit dem Caterer. Die anspruchsvolle Klientel kennt keine fixen Arbeitszeiten. Da ruft ein CEO auch mal spätabends an, um mitzuteilen, dass er am nächsten Tag doch noch seinen Sohn mit an den Match nehme. Und wieder ist Improvisation gefragt, damit am Tisch alle Platz haben. Vogt gefällt die Arbeit in einem Fussballklub. «Man verlässt das Büro, und trotzdem ist der FCB noch immer überall», sagt sie, die mit ihrem Job den Neid ihrer Jugendfreundin auf sich gezogen hat. Mit ihr ging sie schon ins Joggeli, um Karl Odermatt zu bewundern. «Als ich ihr eines Tages sagte, dass ich für den FCB arbeite, ist sie fast ausgeflippt», lacht Vogt.

 

Fast 8 Millionen Franken pro Jahr nimmt der FCB mit dem Hospitality-Bereich ein, das entspricht gut einem Viertel der gesamten Ticketeinnahmen. Bei jedem Spiel sind nahezu alle Plätze belegt, die meisten von Jahreskarteninhabern, die dafür – je nach Lounge – zwischen 2900 und 10‘900 Franken hinblättern. Grossgeschrieben wird natürlich auch die Diskretion an diesem Ort, wo Tout Bâle tafelt. Hier werden geschäftliche Kontakte geknüpft, gepflegt und manchmal auch vertraglich besiegelt. Entsprechend wenig lässt sich Manuela Vogt über die prominenten Besucher ihres Reichs entlocken. Dass aber zum Beispiel Roger Federer oder Oscar-Preisträger Arthur Cohn gerne ins Joggeli pilgern, ist ein offenes Geheimnis. Beim Europa-League-Final im Mai 2016 war sogar der spanische König Juan Carlos zugegen.

 

So gediegen und nobel die Atmosphäre im Bauch der Haupttribüne auch ist, die Fussballatmosphäre kommt dennoch nie zu kurz. Auch jene Fans, die etwas mehr Geld für einen Sitzplatz ausgeben, sind eben letztlich einfach Fans, die den FCB unterstützen und siegen sehen wollen. Kurz vor Anpfiff lockt es sie hinter der Glasscheibe hervor hinaus auf die Tribüne. Den Match gewinnt der FC Basel heute spektakulär, nach dem Schlusspfiff erscheinen auch die Spieler in der Lounge, wo die Gäste Autogramme ergattern können. Und so strahlen an diesem lauen Spätsommerabend die Besucher der Hospitality-Bereiche übers ganze Gesicht. Dazu beigetragen haben nicht nur Xhaka, Janko und Doumbia, sondern eben auch Manuela Vogt und das ganze Team.

 

Gourmettempel St. Jakob-Park

Fussballfeinschmecker kommen in den Logen und Lounges des St. Jakob-Park auf ihre Kosten – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Gebotene lässt auch die kulinarischen Herzen höher schlagen: ob vom Rauchlachs über das Thai-Curry mit Crevetten zum Joghurtmousse; oder vom Gurken-Dill-Salat über das BBQ-Short-Rib mit Kartoffelwedges zum Aprikosen-Himbeer-Duo: hier verköstigen sich die Fans fast wie in einem Sterne-Restaurant. Ermöglichen tut dies die Catering-Firma Wassermann & Company AG. Schon zwei Tage vor dem Spiel beginnen die Vorbereitungen. Bis zu 25 Köche verarbeiten 1,5 Tonnen Lebensmittel zu den exquisiten Spezialitäten. Am Spieltag selber umsorgen sich 80 Servicekräfte um das Wohl der Gäste. Ausgeschenkt werden 350 Flaschen Wein, 400 Liter Bier und 580 Flaschen Wasser. «Es ist als würde man jedes Mal ein Restaurant neueröffnen, alles muss auf die Minute getaktet sein», fasst CEO Frank Wassermann die besondere Herausforderung Stadion-Catering zusammen. Auch Abwechslung schreibt der Caterer gross: So bietet man bei Europacup-Spielen jeweils Spezialitäten aus der Region des Gegners an.

 

Mämä Sykora, 31. Oktober 2016

Manuela Vogt

Manuela Vogt die Fussball-Gourmet Betreuerin